Valeria Heintges, Moderatorin

Von 2015 bis 2018 gehörte ich zur Programmkommission der Solothurner Literaturtage, die jeweils am Wochenende nach Auffahrt (Himmelfahrt) stattfinden. Zu den Aufgaben der Kommissionsmitglieder gehört es, die Schweizer Literatur des Jahres zu sichten und Vorschläge für die kommenden Solothurner Literaturtage zu machen. Zusätzlich werden auch einige internationale Schriftsteller eingeladen. Zudem moderieren die Kommissionsmitglieder die Lesungen der Autoren. Eine neue, sehr faszinierende Aufgabe.

So habe ich bei den 38. Solothurner Literaturtagen 2016 Sacha Batthyany und seinen autobiographisch geprägten Rechercheroman “Und was hat das mit mir zu tun?” (Verlag Kiepenheuer & Witsch) moderiert, mit dem der Tages-Anzeiger-Journalist auf der Auswahlliste zum Schweizer Buchpreis 2016 stand. Ebenso Judith Kuckart und ihren Erzählungsband “Dass man durch Belgien muss auf dem Weg zum Glück” (Dumont Verlag) und Charles Lewinsky und seinen surreal-fantastischen Roman “Andersen” (Verlag Nagel & Kimche). Ausserdem sprach ich auf der Bühne mit dem Lyriker Jan Wagner, der mit seinem Band “Regentonnenvariationen” (Hanser Verlag) als erster Lyriker den Leipziger Buchpreis gewann und 2017 sogar mit dem renommierten Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet wurde.

Bei den 39. Solothurner Literaturtagen 2017 sass ich mit fünf Autoren zusammen auf dem Podium. Mit Urs Faes (Foto: Fotomtina), der sein autobiographisches Buch “Halt auf Verlangen” (Suhrkamp-Verlag) vorstellte, das 2017 für den Schweizerbuchpreis nominiert war, mit Zora del Buono, die sich in “Mit dem Rücken, an eine Hauswand gelehnt” (Verlag C.H. Beck) mit der NSA-Affäre um Edward Snowden und dem Collegeleben in den USA auseinandersetzt. Mit Michael Angele, der seinen Essay “Der Zeitungsleser” (Verlag Galiani Berlin) vorstellte, sprach ich über die Zukunft des Journalismus. Henriette Vásárhelyi sinniert in ihrem Roman “Seit ich fort bin” (Dörlemann-Verlag) über die Zeit nach der Wende und den Tod einer Jugendfreundin. Und Andrea Fischer Schulthess schaut in “Motel Terminal” (Salis-Verlag) in die Psyche einer Frau, die ihre Tochter vor der Welt geheimhalten will.

2018 feierten die Solothurner Literaturtage ihr 50-jähriges Jubiläum. Dazu habe ich vier Autoren moderiert: Regula Portillo, die in ihrem Erstling «Schwirrflug» (Edition Bücherlese) über die europäischen Hilfsbrigaden in Nicaragua schreibt, Barbara Schibli, die mit ihrem Debüt «Flechten» (Dörlemann-Verlag), der kunstvoll verschiedene Motive verbindet, den Studer-Ganz-Preis gewann, und Anja Kampmann, die mit ihrem «Wie hoch die Wasser steigen» (Hanser-Verlag) über einen jungen Mann auf der Suche nach sich selbst für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war. In Arno Camenischs Werk habe ich nur kurz eingeleitet – dann hat der Bündner Schriftsteller, der in der Spoken-Word-Tradition steht, in seiner ganz eigenen Art aus «Der letzte Schnee» (Engeler-Verlag) vorgetragen.